
Literaturpreis der Kunststiftung NRW - Straelener Übersetzerpreis 2001
Die Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen vergab in Kooperation mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen im Juni 2001 erstmals den mit 50.000 DM dotierten großen Preis für literarische Übersetzung. Der Übersetzerpreis der Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen wird für das Jahr 2001 an Thomas Reschke vergeben.
Auf ihrer Sitzung in Straelen am 16. und 17. März 2001 hat die Jury diesen Preis dem in Berlin lebenden Übersetzer Thomas Reschke für seine Übertragung des Romans „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow zuerkannt.
“Temperament und Humor, Nuanciertheit und Wahrheitssinn - dies alles und vieles mehr macht ihn, über sein literarisches Mittlerwerk hinaus, zu einer markanten Gestalt des literarischen Deutschlands. Der Preis, den er heute erhält, ist nicht der erste, der seine Arbeit würdigt. Die Akademie der Künste der DDR hat ihn 1975 mit ihrem nach F. C. Weiskopf benannten Übersetzerpreis geehrt, und 1981 erkannte der sowjetische Schriftstellerverband ihm den Maxim-Gorki-Preis zu; mit dem Bundesjugendliteraturpreis ehrte ihn 1991 die gesamtdeutsche Literaturszenerie. Aber dieser Straelener Preis, der heute zum ersten Mal verliehen wird, in früher Morgenstunde durch keinen Geringeren als den Ministerpräsidenten des Landes, in dem dieses vorbildliche Institut Wurzeln geschlagen hat, ist wie die Krönung eines Lebenswerkes, auf dessen tätige Fortsetzung seine Leser, seine Kollegen, seine Freunde bauen; sie alle bringen ihm Glückwünsche dar.”, so der Laudator Dr. Friedrich Dieckmann.
Der Jury gehörten Irmela Brender, Joachim Meinert, Helga Pfetsch, Maja Pflug und Helmut Scheffel an.
Aus der Begründung der Jury
Zugleich erfährt damit Thomas Reschkes außergewöhnlich umfangreiches übersetzerisches Gesamtwerk von Literatur aus dem Russischen die verdiente Anerkennung. Die deutsche Fassung von Bulgakows Roman, Teil einer 13bändigen, ebenfalls fast vollständig von Reschke übersetzten Werkausgabe des Autors, ist eine seit ihrer Erstveröffentlichung 1968 mehrfach überarbeitete, ausgereifte, stilistisch brillante Übersetzung, die die sichere Beherrschung mehrerer Sprachebenen und hohe sprachschöpferische Phantasie erforderte. Sie hat dieses Meisterwerk der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts für eine große Leserschaft im gesamten deutschen Sprachraum erschlossen. Thomas Reschke hat in 45 Jahren übersetzerischen Wirkens seine Kunst stets in den Dienst sprachlich anspruchsvoller, kniffliger Texte und vorzugsweise kritischer sowjetischer Autoren gestellt, die zur Entstalinisierung beitragen konnten.