Erik Jensen (Dänemark), Amina Pandolfi (Italien), Maniko Ueda und Mariko Satô (Japan), Marja Kyrö (Finnland), Slawomir Blaut(Polen), Milada Misárková (Tschechoslowakei) und Juri Korinetz (Rußland)
„Björnrachzarck“ konnte die Italienerin nur mit Mühe aussprechen, und „Firlefanze“ gibt es in Japan natürlich schon gar nicht.
Acht Übersetzerinnen und Übersetzer arbeiten drei Tage im Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen mit Michael Ende, dem Autor der „Unendlichen Geschichte“ – sie sprachen den phantastischen Roman Seite für Seite durch.
Michael Ende hat aus den negativen Erfahrungen mit einigen Übersetzungen seines Buches „Momo“ gelernt und erklärte: „Ich betrachte es als einen außergewöhnlichen Glücksfall, dass ich hier die Gelegenheit bekomme, mit den Übersetzern meines Buches alle
bestehenden Probleme zu besprechen. Es ist ja durchaus nicht so, dass die Übersetzung eines literarischen Textes einfach eine philologisch richtige Übertragung einer Sprache in eine andere wäre. Die Schwierigkeiten tauchen gerade dort auf, wo die Nuancen einer Sprache kein Äquivalent in der anderen haben, und wo es deshalb nötig ist, aus den Möglichkeiten der anderen Sprache den Text neu zu dichten.“
Dabei stießen die Übersetzer der „Unendlichen Geschichte“ auf ganz besondere Schwierigkeiten: Onomatopoetische Namens-Erfindungen, ein reicher, alle Traditionen der deutschen Sprache aufgreifender Wortschatz, zahlreiche Neubildungen und die suggestive Atmosphäre von Endes Sprache erfordern schöpferische Übersetzer.
Graograman, der riesige Löwe aus der Farbenwüste Goab, erinnert im Deutschen an Tausendundeine Nacht. Wie müsste der Name japanisch lauten, um an was zu erinnern? Zu einem „Kerl“ mag es ja auf finnisch noch ein Äquivalent geben, aber zu „Kerlin“? Wie überträgt der russische Übersetzer den Gemütszustand der „Herzensfrohheit“? Oder wie bilden alle in ihren Sprachen einen Satz nach, in dem Michael Ende das Heranrauschen einer Woge beschreibt und der selbst wie eine Woge
heranrauscht.
Solche assoziativen Sprachschwierigkeiten standen im Mittelpunkt der Tagung. Und in der entspannten Atmosphäre im Hause des Übersetzer-Kollegiums ergab sich im Gespräch eine Feinanalyse des Textes – als Vorstudie für die nun folgende Arbeit der einzelnen Übersetzer zu Hause am Schreibtisch.
Außerdem müssen natürlich die Ausstattung und einige Passagen des
Inhalts in manchen Ländern geändert werden, falls sich die sehr
aufwendige deutsche Ausstattung nicht vollständig übernehmen lässt.
Denn das in rote Seide gebundene Buch in Zweifarbendruck und mit den
26 Initialen des Alphabetes als Illustrationen ist ja ebenfalls ein
wesentlicher Teil der „Unendlichen Geschichte“.
Anwesend waren Übersetzerinnen und Übersetzer aus Dänemark, Finnland, Italien, Japan, Polen, der Tschechoslowakei und Rußland. Solche intensiven Vorarbeiten sollen die Qualität der Übersetzungen systematisch verbessern und damit den internationalen Literaturaustausch lebendiger machen helfen.